Tradition mit Scheiße

Kunst: Richard Hamilton, der Mann, der die Pop-Kunst erfand und das White Album der Beatles entwarf, gastiert im Kupferstichkabinett mit einer Auswahl seiner Druckgrafiken.

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 17/99 vom 28.04.1999

Richard Hamilton ist eine lebende Legende. Seine Collage mit dem Titel "Just what was it that made yesterday's homes so different, so appealing?" aus dem Jahre 1956 gilt als Geburtsstunde der Pop-art: Inmitten von Konsumgütern, Konservendosen und Comicbildern arrangierte Hamilton einen Bodybuilder, der einen riesigen roten Lutscher (engl. "Lollypop") in der Hand hält. Auf dem Lutscher steht "POP" drauf - und so kam die Beschäftigung mit der Bilderwelt des Alltags sofort auch zu ihrem Namen.

Fast noch erstaunlicher als diese Erfindung der Populärkunst - rund fünf Jahre vor Andy Warhols und Roy Lichtensteins ersten Comicbildern - ist allerdings Hamiltons Weg zu dieser Tat. 1948 war der damals 26jährige Londoner bereits auf das künstlerische Werk von Marcel Duchamp gestoßen und hat es sogleich bewundert. Er übertrug beispielsweise alle Notizen Duchamps aus der "Grünen Schachtel" ins Englische, er hat ihn für die BBC mehrmals interviewt, er hat Duchamps "Großes Glas" vollständig


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