Archive des Gewissens

Zeitgeschichte: Geoffrey Hartman versucht auf unprätentiöse und differenzierte Weise das Wissen über die Shoah in ein Verstehen zu verwandeln.

Kultur | Karl Wagner | aus FALTER 17/99 vom 28.04.1999

Der längste Schatten" ist das erste Buch des renommierten amerikanischen Literaturwissenschaftlers Geoffrey Hartman, das ins Deutsche übersetzt worden ist. Seine essayistischen Interventionen gegen das Vergessen und eine Politik des Erinnerns, die den kollektiven Gedächtnisverlust befördert, kehren damit in ein Land zurück, aus dem er 1939 mit einem Kindertransport nach England entkommen konnte. Sein unaufgeregt engagiertes Plädoyer für das Erinnern, seine differenzierten Überlegungen zum Projekt einer "Erziehung nach Auschwitz", sein abwägendes Urteil über die künstlerischen wie wissenschaftlichen Möglichkeiten und ethischen Grenzen, den Holocaust darzustellen, kommen angesichts der panisch oder kaltschnäuzig proklamierten Normalität, dem beifallsgewissen Verlangen nach Schluß der Debatte oder gar der Relativierung (im Unterschied zur historischen Kontextualisierung) der Judenvernichtung zur rechten Zeit.

Diese Artikel "bei Gelegenheit" - Reagan in Bitburg, Spielbergs Film


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