Konflikt der Träume

Kommentar: Befördert der Krieg am Balkan Europas Eigenständigkeit gegenüber Amerika? Wenn ja, wohin führt das?

Vorwort | Raimund Löw | aus FALTER 18/99 vom 05.05.1999

Vom "Projekt Europa" war schon lange nicht soviel die Rede wie dieser Tage: Der EU-Wahlkampf zieht selbst erklärte Gegner der europäischen Integration, wie Umberto Bossis Lega Nord oder Jörg Haiders FPÖ, in ihren Bann. Frankreichs linksliberale Tageszeitung Liberation interpretiert die Nato-Bombenangriffe gegen Jugoslawien als "ersten europäischen Krieg". Genauso wie einst der deutsch-französische Waffengang von 1870, könnte der Konflikt mit Slobodan Milosevic' Geburtshelfer für einen neuen "europäischen" Staat werden. Kosovo sei eine Art "militärischer Euro", spekuliert die Washington Post: Der gemeinsame Einsatz militärischer Gewalt gegen den Horror der ethnischen Vertreibungen trage mehr zur Stärkung der politischen Identität des Alten Kontinents bei als Jahre der Ankündigungspolitik in Sachen gemeinsamer Sicherheitspolitik, glaubt das Blatt.

Ganz anders dagegen die Interpretation des französischen Star-Soziologen Guy Declos: Er sieht im Vorgehen der Nato einen "Krieg


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