Zähes schwarzes Schaf

Kommentar: Polizei-Übergriffe: Anmerkungen zur Gefühlslage einer Gesetze hütenden Organisation.

Vorwort | Wolfgang Stangl | aus FALTER 18/99 vom 05.05.1999

Die Metapher des schwarzen Schafes ist erstaunlich zählebig. Erdacht wurde sie - sagt mir meine Resterinnerung - vom Führer eines Hirtenvolkes, um damit moralische Probleme zu verbildlichen. Heute, 4000 Jahre später, dient das Bild dieses harmlosen Viehs Führern einer komplexen Organisation immer noch dazu, um Gut und Böse, Richtiges und Falsches zu markieren. Warum ist das so, frage ich mich, warum verwenden die Führer der Sicherheitsexekutive (Polizei, Gendarmerie, Kriminalbeamtencorps) nicht häufiger komplexere Bilder, Erklärungen, Theorien, wenn es darum geht, Übergriffe ihrer Beamten und Beamtinnen zu erklären?

Über die Gründe wurde schon viel Zutreffendes gesagt und geschrieben. Das Bild ist von verführerischer Einfachheit und drückt den Sachverhalt, um den es geht, trennscharf aus - so man nicht an einem Augenleiden laboriert. Wo das Gute anfängt und das Böse aufhört, ist nach diesem *Bild ganz klar, farbliche und damit moralische Übergänge kennt das Bild nicht.


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