Totes Recht

Erstickungsskandal: Der "Falter" erhielt Einblicke in den Asylakt des erstickten Nigerianers: Sowohl Verwaltungsgerichtshof als auch Fremdenpolizei hatten ihre Verfahren noch nicht abgeschlossen. Auch die Klebepraktiken waren dem Innenministerium seit fünf Jahren bekannt. Hätte Marcus O. gar nicht abgeschoben werden dürfen?

Politik | Florian Klenk und Nina Weissensteiner * Mitarbeit: Thomas Rottenberg und Patrik Volf | aus FALTER 18/99 vom 05.05.1999

Die Nasenatmung", betonte Innenminister Karl Schlögl, "wurde von den Beamten sorgfältig kontrolliert." Offenbar nicht sorgfältig genug. Der an Händen und Füßen gefesselte Nigerianer war tot, als man ihm bei der Zwischenlandung in Sofia das Klebeband vom Mund riß. Marcus O. war erstickt.

Österreich hat, wie Belgien (wo der Innenminister zurückgetreten ist) und Deutschland (der Innenminister blieb), seinen ersten toten Schubhäftling. Zu Redaktionsschluß dieser Ausgabe lag der bulgarische Obduktionsbericht noch nicht vor. Erste Berichte sprechen davon, daß Marcus O. erstickt ist, da er an einer - den Beamten offenbar nicht bekannten - Verstopfung der Atemwege litt und durch die Nase nicht mehr atmen konnte.

Im Umkreis von Innenminister Karl Schlögl wurde zu diesem Zeitpunkt sein Rücktritt nicht ausgeschlossen. Wie aus dem Bundeskanzleramt zu erfahren war, hatte sich Kanzler Viktor Klima der Causa angenommen und Schlögl zu einem Gespräch unter vier Augen gebeten. Sowohl Klima


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