Das Labor des Dr. Le Roy

Festwochen-Performance: Der promovierte Molekularbiologe Xavier Le Roy hat den Tanz entdeckt und eine eigene Bewegungsphilosophie entwickelt.

Kultur | Helmut Ploebst | aus FALTER 18/99 vom 05.05.1999

Die Bühne schimmert wie ein Laboratorium, weiß und rein. Dort halten sich auf: ein Tisch, ein Sessel, ein Ghettoblaster, ein Mann. Der Mann trägt Turnschuhe, schwarze Hose, graues Hemd. Sobald das Publikum Platz genommen hat, macht er sich auf, die Musik anzudrehen. Aber er stockt. Also doch keine Musik. Der Mann setzt sich auf den Sessel, legt seine Hände auf die Tischplatte. "Pffff!" macht sein Oberkörper und bewegt sich nach vorn, er beugt - "schschsch!" - einen Arm, dreht - "chchch!" - den Kopf. Ein Maschinenwesen, wie von dem Druckluftroboter-Klempner Chico MacMurtrie gebastelt, erwacht zum Leben, probiert die Funktion seiner Glieder, erhebt sich fauchend, macht quietschend einige Schritte.

Am Beginn der Performance "Self Unfinished" des promovierten Molekularbiologen und Tänzers Xavier Le Roy wird allgemein gelächelt. Doch dann öffnet sich unsicheres Terrain. Ende der neunziger Jahre scheinen die Alpträume der Hüter eines schlichten, sinnlichen und akrobatischen Tanzes wahr


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