Völlig nackt am Telefon

Film: Beschimpft und verherrlicht, heiß diskutiert und wild umstritten: Rainer Werner Fassbinders Filme lassen niemanden kalt. Eine Retrospektive gibt wieder einmal Gelegenheit, sich mit dem deutschen Regisseur auseinanderzusetzen.

Andreas Ungerböck | Kultur | aus FALTER 18/99 vom 05.05.1999

Mit jedem Tag wird die schmerzliche Lücke größer, die Rainer Werner Fassbinders früher Tod am 10. Juni 1982 in die deutsche Filmgeschichte gerissen hat. Mehr denn je erweist sich, daß niemand an sein Gesamtwerk anschließen konnte, das die einen für ihn einnahm, die anderen ihn verabscheuen ließ, heftige Diskussionen auslöste, öffentliche Verherrlichungen und Beschimpfungen provozierte - aber niemanden kaltließ. Fassbinder, der wie kein anderer besessen an seiner eigenen Mythologie arbeitete, war schon zu Lebzeiten eine Legende. Man kann nur Vermutungen anstellen, wo er, würde er noch leben, heute stünde. Wahrscheinlich würde er große Hollywoodfilme drehen, schlampig oder genial, je nach Laune, aber niemals so platt und seelenlos wie seine Landsleute Wolfgang Petersen und Roland Emmerich.

Rainer Werner Fassbinder, 1945 in Bad Wörishofen geboren, hatte bereits mit 25 Jahren in München unzählige Theaterstücke inszeniert, Skandale und Theaterschließungen verursacht, Stücke

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