Stadtrand: Fenster zum Hof

Stadtleben | aus FALTER 18/99 vom 05.05.1999

Sommer ist. Zum Sommer gehören offene Fenster. Und der Lärm, der es nicht schwer hat, aus offenen Fenstern zum Hof in ebensolche andere wieder hineinzu"dringen". Im Gegensatz zu manch anderen Menschen, die jedes Jahr gegen offene Fenster meckern, liebe ich dieses Napoli-Gefühl: Geschirrgeklapper, Fernsehton, Streit- und Fickgeräusche, die sich mit Klaviergeübe zu einer Soundscape vermischen. Phonotaktik live. Ich weiß, wie die Tochter der Nachbarn heißt ("Fräulein!"), daß im dritten Stock Ö1-Hörer leben, wer dem Herrn von Etage zwei auf den Anrufbeantworter spricht und daß bei Yuppies im Parterre öfter mal die Designerfetzen fliegen. Ich verursache sogar das eine oder andere Geräusch selbst. Meine Nachbarn mögen mich dafür hassen, daß ich um elf Uhr nachts die Spülmaschine ausräume. Aber so klingt nun mal der Sommer.

Was mich dann aber doch ein wenig stört, ist der monoton vor sich hinpiepsende Wecker gegenüber, dessen Besitzer offenbar verreist ist, und der darum nicht mehr aufhört zu wecken. Der nervt vor allem dann, wenn er am Samstag vormittag beginnt und durchhält, bis die Batterien schlappmachen, also bis Sonntag nachmittag. Da hilft nur, das Fenster zum Hof zu schließen. Obwohl doch schon so schön Sommer ist. C.W.


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