Spielplan

Kultur | K.Cerny / W.Kralicek | aus FALTER 19/99 vom 12.05.1999

Elias Canettis 1933/34 entstandene und kaum gespielte "Komödie der Eitelkeit" gilt als schwierig. Inhaltlich spannt sich der Bogen, psychoanalytisch betrachtet, vom Ausbruch einer Massenhysterie bis zum Zerfall einer sozialen Gemeinschaft in den schieren Autismus. Die Tücken dabei sind hauptsächlich formaler Natur: Canettis Theorie der akustischen Sprachmasken schlägt sich in typenhafter Figurenzeichnung nieder, seine Dramaturgie ist sprung- und lückenhaft. Auch die Idee, alles auf eine Metapher zu reduzieren - kein Spiegel, das heißt kein Bild von außen, erzeugt völligen Selbstverlust -, hat etwas schematisch Ausgedachtes. Man muß nicht unbedingt mit Lacan argumentieren, um den Text zumindest theoretisch zu retten; es würde schon genügen, das gruppendynamische Potential auszuspielen. Im Volkstheater aber verankert Rudolf Jusits das Stück im Altbekannten: Das Ensemble behauptet einfach, Canetti sei Horvath, und wienert, was das Zeug hält. Doch auch Horvath möchte man so blutleer

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