Volle Nase, leeres Lächeln

Musik: Die Welt hat lange auf das neue Album von Suede warten müssen. Jetzt kommen die Meister des britischen Glam-Pop nach Wien, um es uns vorzuspielen

Kultur | Robert Rotifer / London | aus FALTER 19/99 vom 12.05.1999

Als Suede 1993 ihr erstes Wien-Gastspiel gaben, erreichte der Hype um diese Band gerade seinen Höhepunkt. Praktisch die gesamte Musikpresse projizierte ihre wildesten Vorstellungen aus einer Zeit, als Rockmusik noch gesellschaftliche Relevanz besaß, auf Suede. Wer damals die Kritiken britischer Medien las, die Suedes weltverändernden Status großspurig mit dem der Sex Pistols verglichen (nur "noch moderner, sexyer, verdrogter, gefährlicher, androgyner" et cetera), durfte sich vom Auftritt dieser Rockgötter in den bescheidenen Hallen der Szene Wien zumindest einen kurzweiligen Abend erwarten. Statt dessen übten sich auf der Bühne vier anämische Engländer in eher steifen Imitationen des Glam-Rock-Hüftschwungs. Daß ihre deutlich an David Bowie erinnernden Songs nur Zimmerlautstärke erreichten, machte es umso schwerer, dem inneren Wunsch nach Begeisterung nachzukommen. Einzig der purpurrote Theatervorhang auf der Bühne erinnerte an jenen Dandyismus, der Suede zumindest der Theorie


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