Erkenntnis durch Himbeeren

Literatur: In seinem soeben veröffentlichten Stück "Die Fahrt im Einbaum" erlöst Peter Handke die Schuldigen und begibt sich auf das poetische Niveau verschmockter Feuilletons.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 19/99 vom 12.05.1999

Wer ist schuld? Immer die Radfahrer. Es heißt nichts Gutes, wenn bei Handke die Radfahrer kommen. "Eins der ersten Anzeichen der Stadt waren ein paar Quersteppeinradfahrer, die mit von Horizont zu Horizont quietschenden Bremsen hügelab schossen", berichtet einer in Handkes letztem Roman "In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus", um dann zivilisationskritisch noch ein wenig auszuholen: "Ich habe sie mit dem Stock, den ich dabei hatte, im Vorbeilaufen erschlagen, (...) und seitdem ist die Steppe wieder halbwegs ohne Landplage."

In seinem soeben erschienenen Drama "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" hat der Autor die Radler von der Steppe in die Berge versetzt und schickt "drei Internationale oder Mountainbiker" in voller "Schußfahrt durch den Saal, zwischen den Tischen und Stühlen durch, haarscharf an den Sitzenden vorbei, bei durchdringendem Quietschen der Bremsen".

Kein Zweifel, die drei apokalyptischen Radler sind Nachfahren von Qualtingers "Wildem"


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