Mater familias

(Auto)Biografie: Der schwarze Journalist James McBride hat eine berührende Familiengeschichte verfaßt, die von einer einzigartigen Frau und Mutter, aber auch von den Rassenkonflikten in den USA erzählt

Klaus Taschwer | Kultur | aus FALTER 19/99 vom 12.05.1999

Gewiß, die eigene Mutter ist immer die beste, was am vergangenen Muttertag zu beweisen war. Aber deshalb gleich ein Buch über die Mutter schreiben? Der US-amerikanische Musiker und Journalist James McBride hat es getan, und das war gut so. Denn die schier unglaubliche Geschichte der heute 78jährigen Ruth McBride Jordan, für die ihr Sohn vierzehn Jahre lang recherchierte, ist es allemal wert, erzählt und gelesen zu werden. Und es ist auch nur gerecht, daß sich diese Chronik seit zwei Jahren auf der Bestsellerliste der New York Times hält.

Die Lebensgeschichte von Ruth McBride Jordan beginnt am 1. April 1921 unter dem Namen Ruchel Dwajra Zylska - wie die in eine orthodoxe Rabbinerfamilie hineingeborene Tochter zunächst heißt. Mit zwei Jahren kommt sie in die USA, nach Virginia. Dort, im Süden, ist die Kindheit und Jugend der Rachel Debora Shilsky hart und alles andere als herzlich: Sie erlebt soziale Diskriminierung und sexuellen Mißbrauch durch den hartherzigen Vater. Schließlich

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