Nüchtern Betrachtet: retieh dnehegtiew gattimhcaN ba

Kultur, FALTER 19/99 vom 12.05.1999

Eigentlich sollte endlich einmal einer etwas über den Muttertag schreiben. Was Satirisches, eventuell Verfilmbares und Sonntagabendstaatsfunksendbares. Ganz gewiß sollte das wer tun, und ganz gewiß nicht ich. Ich habe mich da wieder eher irgendwo zwischen brüllender Affirmation, leisem Mitmachertum und schweigender Dissidenz durchgeschwindelt. Mutter hatte im Schutze der Nacht und blitzschnell das Bundesland gewechselt, ehe man ihr noch einen Fliederbuschen hätte nachwerfen können, und die Frau an meiner Seite hatte sich noch am Vorabend jeglichen Frühstück-ans-Bett-Schnickschnack und Jazz-und-Lyrik-Performances meinerseits verbeten. Vermutlich aus rein taktischen Gründen, denn mein von ersten Heuschnupfenanfällen und Gastgartensitzungen geschwächter Körper wäre wohl weder in der Lage gewesen, die Marimba vom Dachboden zu holen, noch, dem "Mahl-uns-heut'-ist-Muttertag"-Gebrüll schonend gerösteter Kaffeebohnen innerhalb einer für Frau Holle akzeptablen Zeitspanne nachzukommen.

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