Fernsehen

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 19/99 vom 12.05.1999

Als ich noch in die Volksschule ging, hatte ich einen allerbesten Schulkollegen namens Rainhard Novotny. Dessen von einem schwäbischen Sparwahn beseelte Eltern schlugen eines Tages dergestalt über die Stränge, daß sie sich eine Farbfernsehapparatur zulegten. Die Kiste hatte das Format einer mittleren Alpenvereinshütte und füllte den ganzen Raum der Novotnyschen Schlafküche. Vom technischen Gesichtspunkt aus betrachtet hatte die Kiste einiges zu bieten: sechs verschieden einstellbare Kanäle (ein für damalige Verhältnisse atemberaubender Luxus), ein über jeden ästhetischen Zweifel erhabenes, aus den Planken der Arche Noah furniertes Gehäuse und je einen Regler für die bizarren Gelüste nach "Brightness", "Contrast", Color" und "Loudness". Vier Stück Regler! Kein Wunder, daß sich die Novotnys nie wieder warmes Essen leisten konnten. An diese seligen Pioniere des Farbfernsehschauens muß ich stets denken, wenn ich mich in Richtung Küniglberg verzappe. Den Novotnys ihr Fernsehgerät hätte ich dann gerne: Wie suprig müßte Absolut Resetarits in den knatternden Farben von damals ausschauen. Superspitzenmodern geradezu!


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