Ein Russe namens Bungalow

Festwochen: So wenig Castorf war nie: Der Chef der Berliner Volksbühne inszeniert im Burgtheater Dostojewskis "Dämonen"

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 19/99 vom 12.05.1999

Die Hauptrolle in Frank Castorfs neuer Inszenierung ist ein Russe namens Bungalow. Auf der von Bert Neumann gestalteten Bühne steht ein Sommerhäuschen im protzig-schlichten Stil der späten sechziger Jahre: Sitzecke mit Fernseher, Kochnische, Glastüren - und natürlich ein Swimmingpool. Düsenflieger ziehen krachend über den Container, die beige-braunen Wände werden später aufs Stichwort ("Der Sturm auf das morsche Gebälk") aus dem Rahmen fallen.

Die Leute, die hier ein und aus gehen, scheinen das ganze Jahr über Urlaub zu machen. Die Menschen in den russischen Stücken haben ja grundsätzlich viel Zeit. Deshalb reden sie so viel. Deshalb kommen sie auf so dumme Gedanken. Auch in Dostojewskis Roman "Dämonen", den Castorf in der - neu übersetzten und adaptierten - Dramatisierung von Albert Camus ("Die Besessenen") inszeniert hat, wird viel geredet. Über Schuld und Sühne. Über Revolution und Resignation. Und über Gott und die Welt (also Rußland) sowieso.

Da ist zum Beispiel Stepan


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