Standpunkt: Au Backe!

Politik | aus FALTER 20/99 vom 19.05.1999

Die Attacke war alles andere als pazifistisch: Beim Parteitag der deutschen Grünen knallte Außenminister Joschka Fischer ein Farbbeutel an die Backe. Motiv für die Tat war Fischers Unterstützung des Nato-Einsatzes im Kosovo. Droht eine derartige Eskalation auch bei den österreichischen Grünen? "Nein, wir sind uns einig", meint der Europa-Abgeordnete Voggenhuber und verweist auf eine vom grünen Bundesvorstand "zur Kenntnis" genommene Verurteilung des Nato-Kriegs gegen Jugoslawien. Doch heißt "zur Kenntnis" nehmen gleich zustimmen? Parteichef Alexander van der Bellen klang im Falter-Interview vergangenen Herbst (Falter 44/98) noch ganz anders. Wenn Massaker stattfinden würden, so Van der Bellen damals, befürworte er eine Nato-Intervention. Der Parteichef hat sich mit Wortmeldungen zu diesem Thema seither ziemlich zurückgehalten. Das ist verständlich: Spricht er sich für die Intervention aus, prügeln ihn die Parteifundis. Ist er dagegen, riskiert er sein Realo-Image in der Öffentlichkeit. Van der Bellen hat so die Ruhe in der Partei bewahrt; jene ausgetretenen oberösterreichischen Grünen, die sich kein einziges Wort zu Milosevi'c' Greueltaten abgerungen hatten, sind kein großer Verlust. Der Eiertanz mag parteitaktisch klug sein, als Wähler fühlt man sich aber gefrozzelt. Schließlich will man wissen, woran man ist. G.J.


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