150 Leichen in der Lade

Ausstellung: Die Ausstellung "Körperwelten" bietet Einblicke in das Innere von echten, kunstvoll präparierten Leichen. Der "Falter" sprach mit dem deutschen Anatomen Gunther von Hagens über seinen wechselvollen Lebensweg, die Botschaft seiner Schau und sein eigenes Ende als anatomisches Präparat.

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 20/99 vom 19.05.1999

Seitlich hingestreckt liegt sie da, auf den rechten Ellbogen aufgestützt. Die lässige Pose der Schwangeren kennt man aus Frauenmagazinen, von Promi-Frauen, die gegen gutes Geld herzeigen, daß sie demnächst Mutter werden. Doch einiges ist anders: Kopf, Rumpf und Gliedmaßen des Frauenleibes sind gehäutet, Bauch und Gebärmutter weit geöffnet. Unter den durchtrennten dicken Muskelsträngen ist der Blick auf ein Baby freigegeben, das nie geboren wurde. Der einzigartige Einblick in die lebendig wirkende Tote läßt schaudern und macht zugleich staunen.

Die "Liegende Schwangere im achten Monat" ist das spektakulärste Objekt der Ausstellung "Körperwelten" - einer an faszinierend-verstörenden Exponaten nicht gerade armen Schau, die nun auf dem Wiener Messegelände im Prater gastiert. Zuvor war die Ausstellung erst in einigen japanischen Städten sowie in Mannheim zu sehen, wo sie und ihr Schöpfer, der deutsche Anatom Gunther von Hagens, prompt zum Gegenstand heftiger Kontroversen wurden.


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