150 Leichen in der Lade/Kommentar: Alles Kunst oder was?

Vitus H.Weh | Kultur | aus FALTER 20/99 vom 19.05.1999

Toll, daß auf dem Pratergelände wieder an eine alte Jahrmarkttradition angeknüpft wird: "Damen ohne Unterleib", "echte siamesische Zwillinge", "Elefantenmenschen" - um 1900 waren solche Kuriositäten ein gutes Geschäft im Schaustellergewerbe, und Gunther von Hagens' "Körperwelten" werden da fortfahren.

Was an seinem Spektakel allerdings irritiert, ist von Hagens' krampfhafter Versuch, seine menschlichen Präparate mit bildender Kunst zu vergleichen: Sich selbst kleidet er, wie einst Joseph Beuys, mit Hut, und seine Werbebroschüren schmückt er mit Elogen, die ihm versichern, wie die Kunst doch von ihm lernen könne und daß er eigentlich der bessere Bodyartist sei. Solche Unselbständigkeit ist angesichts des weltweiten Publikumsandrangs ("In Mannheim waren es 800.000, mehr als zur Documenta in Kassel.") umso erstaunlicher. Warum will sich diese Schau unbedingt mit bildender Kunst messen? Warum nicht mit der Fußball-Bundesliga?

Jeden Werbetexter nennt man heute "kreativ"; jeden besseren

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