Spielplan

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 20/99 vom 19.05.1999

Wir haben nun mal 1999, und so fügten sich auch die Festwochen dem offenbar Unvermeidlichen. In Koproduktion mit dem Opernhaus Zürich hatte im Theater an der Wien einmal mehr die erfolgreichste Operette der Welt Premiere: "Die Fledermaus" von Johann Strauß Sohn, inszeniert von Jürgen Flimm. Der musikalische Leiter und Urtext-Spezialist Nikolaus Harnoncourt nutzte die Gelegenheit, mit den Wiener Symphonikern zu zeigen, wie unkitschig Strauß heute trotz aller Vermarktung klingen kann. Auch die Sänger spielten bei dem angekündigten Vorhaben mit, Strauß zeitgemäß aufzuführen. Flimms Plan allerdings, der gesellschaftskritischen Geschichte durch Ansiedlung in einem Strizzi-Milieu der Achtziger ihre Brisanz wiederzugeben, geht nicht ganz auf: So richtig glaubwürdig wird Falkes großangelegte Rache auch diesmal nicht; von den karikierten Typen auf der Bühne muß sich im Publikum sowieso niemand getroffen fühlen - und überhaupt ist diese Überzeichnung genauso halblustig wie Erwin Steinhauer als Frosch.

Überhaupt nicht aufgegangen ist Wolfgang Staribachers Plan, Mozarts Musik "ins Heute zu transferieren". Mit seiner Mozartband wollte er die volksmusikalischen Wurzeln des Komponisten freilegen und mit Rockelementen kombinieren. Sein "König des Glücks" (nach Mozarts Serenata "Il re pastore") in den Sofiensälen geriet dann allerdings zu einer Volks-Rock-Show, die mit dem "Heute" seit Jahren nichts mehr zu tun hat. Immerhin gelang der Beweis, daß Mozarts Melodien auch durch langmähnigen, verschwitzten Bombast-Rock nicht kaputtzukriegen sind.

Im Theater Akzent zeigte "Curlew River", ein Gastspiel aus Aix-en-Provence unter der Leitung von David Stern, Benjamin Britten als einen der größten Musikdramatiker des 20. Jahrhunderts. Seine Kombination von japanischem No- und europäischem Mysterienspiel ist eine tatsächlich gelungene Transformation alter (in diesem Falle mittelalterlicher) Musikformen in eine zeitgemäße Musiksprache.


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