"Ballett ist Organisation"

Festwochen: Der Amerikaner William Forsythe, Leiter des Balletts Frankfurt, ist ein radikaler Erneuerer der Tanzkunst. Ein Gespräch über sein Stück "alie/na[c]tion", über Filmemachen als Choreographie und keinen speziellen Arbeitsstil.

Helmut Ploebst
Kultur, FALTER 20/99 vom 19.05.1999

William Forsythe ist es gelungen, aus dem engstirnigen, kapriziösen Ballett eine offene, komplexe Kunstform zu machen. Das haben vor und neben ihm zwar auch andere versucht; aber er radikaler, glaubwürdiger und durchdachter. Mit seinem Ballett Frankfurt fand der gebürtige Amerikaner, der heuer 50 wird, zu einer Form, die weltweit einzigartig ist: eine gegen hierarchische und sonstige Ballettkonventionen gerichtete Körperkunst, hochpräzise und ästhetisch risikofreudig. Im Herbst übernimmt der Choreograph - gemeinsam mit dem Regie-Duo Kühnel/Schuster - zusätzlich die Leitung des traditionsreichen Frankfurter Avantgardetheaterforums TAT, das zwischenzeitlich schon beinahe wegrationalisiert war. Mit den Wiener Festwochen hat Forsythe 1998 einen Dreijahresvertrag abgeschlossen; heuer zeigt er im Theater an der Wien sein 1992 entstandenes Stück "alie/na[c]tion".

Falter: In dem Stück, das Sie dieses Jahr bei den Festwochen zeigen, taucht das Thema Fremdenfeindlichkeit auf. Gab es dafür

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