Aufgeblättert

Stefan Ender | Kultur | aus FALTER 20/99 vom 19.05.1999

Wenn es eine Schnittmenge von Falter-Leserinnen und solchen der Zeitschriften Brigitte, Elle oder Marie Claire gibt, dann mögen die darin enthaltenen Geschöpfe bitte kurz aufhorchen: Es ist ein Roman für sie geschrieben worden. Setting: ein kleines Dörfchen an der Cote d'Azur; Zeit: lichtdurchfluteter Frühsommer; Held: Michel, ein junger, talentierter Architekt, beschenkt mit Sensibilität, Intelligenz und betörendem Lockenkopf, beladen jedoch mit einer unglücklichen Liebesaffäre und einem rätselhaften Kindheitstrauma. Näher und näher wird der Leser an dieses Geheimnis herangeführt, auf eine angenehme Art verwirrt von den behenden Perspektivwechseln, die Autorin Tanja Langer über die gesamte Strecke des Romans vornimmt. "Cap Esterel" lautet der romantische Titel des mit Zypressenduft, Weißwein und azurblauem Himmel profimäßig mediterran ausgestatteten Erstlingsromans der 37jährigen Berlinerin, welcher für einen sonnenwarmen, verbummelten Mai/Juni-Nachmittag auf einer

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