Stadtrand: Anti-Virus

Stadtleben | aus FALTER 20/99 vom 19.05.1999

Ich habe eine Theorie. Die Theorie des sich multiplizierenden Unfreundlichseins. Diese lautet folgendermaßen: Der Mensch ist nicht von Haus aus unfreundlich oder halt nicht von in der Früh weg. Sondern er trifft auf seinem Weg ins Büro einen anderen Menschen, der ihn blöd anredet, anschaut oder anrempelt. Worauf der Unfreundlichkeitsvirus von Mensch Nr. 2 auf Mensch Nr. 1 übergeht, welcher ihn nun seinerseits weiterverbreitet.

Was an dieser Theorie noch nicht geklärt ist: Wo kommt das Virus ursprünglich her? Laborversuche, ob der Unfreundlichkeitsvirus auch via Radio übertragbar ist (beziehungsweise eine Mutation des Genervtseinvirus ist), sind noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Allerdings müßte es demnach möglich sein, sich gegen den Virus zu schützen, oder - wie damals während der Maul- und-Klauenseuche - durch Entseuchungsstationen zu gehen.

In London wird ab sofort eine Entseuchungsstation ausprobiert: Die bisherige Stimme "Sonia", die U-Bahn-Fahrern "Mind the Gap" zugerufen hatte, wird durch eine erotischere Frauenstimme ersetzt. Vor allem Männer hätten sich bei "Sonia" ein strenges Fräulein mit Hornbrille oder gar die eigene Mutter vorgestellt. Die Neue a la Marilyn soll offiziell mehr Aufmerksamkeit erregen.

Anti-Virus-Impfung, ich sag's ja. S. N.


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