Politik

Politik | aus FALTER 21/99 vom 26.05.1999

Was war Suspendierung Sie wurden doch suspendiert. Nach heftigen internen Kämpfen zwischen Innenminister Karl Schlögl und einigen höheren Beamten rang sich die Disziplinarkommission nun doch dazu durch, jene Beamten zu suspendieren, in deren Obhut Markus Omofuma erstickt ist. Innenminister Karl Schlögl hätte die drei Fremdenpolizisten freilich sofort suspendieren können. Einige Beamte, darunter Michael Sika, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, sprachen sich aber gegen eilige Schnellschüsse aus. Nun wurde die Disziplinarkommission nach Bekanntwerden neuerer Obduktionsergebnisse neuerlich beauftragt. Und fand plötzlich das politisch erwünschte Urteil.

Was kommt Probleme für Schlögl "Ich habe Innenminister Karl Schlögl von den Klebebändern informiert." Das sagt nicht irgendwer, sondern der ehemalige Leiter von SOS Mitmensch, Martin Schenk, im Interview mit der Zeitschrift News. Karl Schlögl kann sich an diese Information nicht mehr erinnern. Damit gibt es nun den dritten Hinweis darauf, daß das Innenministerium von den Klebebändern gewußt haben mußte. So behauptete ein Mitarbeiter der Alitalia, Sektionschef Manfred Matzka auf die unmenschlichen Abschiebebedingungen und die Verwendung von Klebebändern aufmerksam gemacht zu haben. Ebenso wies der Folterbericht des Europarats auf die menschenrechtswidrigen Praktiken hin.

Was fehlt Omofumas Identität Nun meldet sich der nigerianische Anwalt der Familie Omofuma zu Wort. Er will von Österreich 13 Millionen Schilling Schadenersatz. Begründung: Omofuma hätte in Europa gearbeitet und seine Eltern finanziell unterstützt. Omofumas Eltern werden kommende Woche, begleitet von Anwalt Georg Zanger, nach Wien kommen, um an einer Gedenkmesse teilzunehmen. Im Innenministerium hat man Nachforschungen über die Identität des Toten angestellt. Laut Innenministerium soll Omofuma unter anderem Namen in Deutschland gelebt und gearbeitet haben.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige