Der Fall Mohammed S.: Justizskandal oder Medienhetze?

Florian Klenk und Nina Weissensteiner | Politik | aus FALTER 21/99 vom 26.05.1999

Was hier geschieht, ist an der Grenze des Erträglichen. Die Staatsanwaltschaft hat trotz belastender Zeugenaussagen eine Hauptverhandlung nicht stattfinden lassen." Richard Soyer, Anwalt jener fünf Zeugen, die Anfang März in der U-Bahn-Station Schottenring die gewaltsame Festnahme eines Afrikaners beobachtet hatten, ist empört: "Das ist ein Signal an Bürger, wegzuschauen und in Zukunft den Mund zu halten." Das Verfahren gegen jene zwei Polizisten, die von den fünf Zeugen beschuldigt wurden, den 19jährigen Mohammed S. nach einer turbulenten Amtshandlung minutenlang geschlagen, getreten und als "dreckige Negersau" beschimpft zu haben, wurde von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt. Das bedeutet, daß die von den Passanten behaupteten Mißhandlungsvorwürfe nie von einem Richter in einer öffentlichen Verhandlung geklärt werden.

Die Vorgeschichte: Mohammed S. (er wurde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu neun Monaten verurteilt) soll Anfang März von zwei Polizisten am Schottenring

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