Stadtrand: Money for nothing

Stadtleben | aus FALTER 21/99 vom 26.05.1999

Natürlich brauche ich Geld. Blöde Frage. Ganz ohne Komplikationen, unbürokratisch und unverbindlich? Toll. Aber wenn die Betreuerin meiner Bank, die sonst jedesmal tadelnd die Augenbraue hochzieht, wenn ich zu ihr komme, mir plötzlich Geld anbietet, ist es normal, daß mir das ein wenig seltsam vorkommt. Ob ich denn die "Gewinn"- und "profil"-Titelgeschichten der letzten Zeit gelesen hätte, wollte sie wissen. Und ob ich die drei Briefe der Bank in den letzten Wochen nicht erhalten hätte. Genau, diese persönlich gehaltenen Massensendungen, in denen meine Bank mir anbietet, Träume zu erfüllen. Oder zumindest erfüllen zu helfen. Und obwohl ich die Post erhalten hätte, sei ich nicht sofort in die Bank geeilt, um einen Kredit aufzunehmen? Wie unvernünftig. Sie kenne mich doch schon so lange und könne sich nicht vorstellen, daß es da keine immerschongehegten Wünsche, unfinanzierbaren Anschaffungen und lange unerfüllte Träume gäbe. Ich wäre nicht der Typ für eine wunschlose Existenz. Deswegen möge ich doch unbedingt in der Bank vorbeikommen. Kein Interesse? Wieso? Das gibt es doch nicht. Vielleicht überlege ich mir die Sache ja noch? Nein? Na, sicherheitshalber wird sie mich in ein paar Tagen wieder anrufen. Bloß: Dann werde ich schon die Bank gewechselt haben. T. R.


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