Bedient: Der "Negerfreund"

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Wien Westbahnhof.

Vierter Mai, ca. 22 Uhr. Der Zug rollt ein. Zwei schwarze Fahrgäste (unauffällig gekleidet) steigen aus. Ausweiskontrolle, Drogenkontrolle. Soll sein. Herbert T., Risikocontroller einer großen Wiener Bank, beobachtet. Die Afrikaner leeren ihre Rucksäcke und dürfen nach zehn Minuten wieder gehen. Nach der Kontrolle geht der Bankbeamte zu den Polizisten und fragt nach dem Grund der Amtshandlung. "Ich war ruhig, ohne aggressiven Tonfall und normal gekleidet", schreibt Herbert. Das war zuviel. Polizist: "Wolln S' was? Wollen S' aufs Kommissariat kommen? Wir können dort ein bisserl diskutieren, wenn Sie Lust dazu haben! Wir sind Ihnen keine Rechenschaft schuldig." Und überhaupt: "Wer san Sie eigentlich?" Herbert stutzt: "Ich bin ein österreichischer Staatsbürger und stelle nur eine Frage und will eine ordentliche Antwort." Polizist: "Haben S' was gegen die Polizei?" Hat der Bankbeamte nicht. "Ich wollte den Beamten von einem guten Freund aus Burkina Faso erzählen, der hier seit 20 Jahren in Wien lebt und Germanistik studiert hat. Ich kam aber nicht sehr weit." Ein Polizist (ca. 1,95 Meter groß) streckt seine Brust heraus: "Samma leicht a Negerfreund? Ein Negerfreund? Ich würde Ihnen raten, auf diesen Freund aufzupassen!" Der "Negerfreund" war verdutzt: "Mit so einer Antwort habe ich nicht gerechnet." Die Polizisten haben genug vom lästigen Passanten. Die Fragerei wird beendet: "Jetzt schleichen S' Ihna nach Hause." "Ich hab' ein bisserl gezittert", sagt Herbert. Vielleicht wird es den Beamten ähnlich ergehen. Die Autonummern ihrer Streifenwagen lauten BP 70 und BP 94.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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