Goodbye Stranger

Theater: George Tabori verläßt Wien und geht mit Claus Peymann nach Berlin. Der 85jährige Autor und Regisseur hinterläßt die Petitesse "Purgatorium" und die Erinnerung an viele große Theaterabende. Eine Retrospektive.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Kennen Sie den? Treffen sich ein Jude und ein Oberösterreicher in einem Wiener Obdachlosenasyl. Fragt der Jude: "Wie heißen Sie?" Sagt der Oberösterreicher: "Hitler." Darauf der Jude: "Komisch, Sie sehen gar nicht jüdisch aus."

Oder den: Was hat Jesus nach dem Letzten Abendmahl gesagt? "Getrennte Rechnungen."

Gut ist auch der: "Sie haben Krebs", sagt der Doktor zum Patienten. Sagt der Patient: "Darauf habe ich mein Leben lang gewartet."

George Tabori mag Witze. Und er wird nicht müde zu erklären, warum. "Die Witze, die ich gern habe, haben eine theatralische Struktur. Die fangen lustig an, und plötzlich kommt die Pointe - und die Pointe ist in einem guten Witz immer eine Katastrophe." Auch die Stücke von Tabori folgen dieser Witz-Dramaturgie. Sie fangen ganz harmlos-heiter an, und wenn sie gut sind, enden sie in einer Katastrophe. In "Mein Kampf" rettet der Jude Schlomo Herzl dem unbegabten Kunstmaler Adolf Hitler das Leben - um am Ende erkennen zu müssen, daß das ein Fehler war.


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