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Kultur | K.Cerny / O.Hochadel | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Je länger man über "Lotphantasie" nachdenkt, desto unklarer wird, worum es im neuen Stück von Botho Strauß denn eigentlich geht. Was das mit uns zu tun hat, traut man sich dann schon gar nicht mehr zu fragen. Der Plot ist dem Alten Testament entliehen: Gott hat Lot und seine beiden Töchter aus Sodom gerettet. In einer Höhle machen die Töchter ihren Vater betrunken, um dann Sex mit ihm zu haben - was am Ende ganz im Sinne Gottes war. Strauß macht aus dem unerhörten Stoff etwas sehr Perfides: Er lädt die Atmosphäre enorm sexuell auf, tut aber gleichzeitig so, als ob ja gar nichts wäre, indem er alles sofort wieder wegquatschen läßt. Luc Bondy, der den Text im Rahmen der Festwochen mit Studierenden des Max-Reinhardt-Seminars im Rabenhof uraufgeführt hat, gibt sich ebenso dezent. Als würde man auf David Hamilton warten, der ganz nüchtern ein paar Fotos für einen Kalender schießt, der zufällig die lüsternen Töchter des Scheichs zum Thema hat - Softsoftsoftporno, was eigentlich


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