Hans Palestrina

Oper: An der Staatsoper wird Hans Pfitzners "Palestrina" gespielt: eine Selbststilisierung des Komponisten als Reaktionär.

Jürg Stenzl | Kultur | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Der Komponist Hans Pfitzner (1869-1949) war als Mensch ein ziemlicher Widerling. Daß er Hitler - unter Freunden - als "entfesselten Proleteus" bezeichnet hat, macht seine unsäglichen Polemiken gegen alles, was auch nur entfernt als "modern" gelten konnte, seinen militanten deutschen Nationalismus und Antisemitismus nicht ungeschehen. Das Eingeständnis fällt schwer: Er war ein reaktionärer Egomane, aber eben auch ein bedeutender Komponist. Seine Weltanschauungsoper "Palestrina" (entstanden 1910-15) hat er selbst zu Recht als sein Hauptwerk bezeichnet. Es gibt keine musikalischen Gründe, von einer Aufführung abzusehen; wie es überhaupt zweckmäßig erscheint, Komponisten nach ihrer Musik und nicht nach ihrem politischen Verstand zu beurteilen. Deutsche Komponisten schon gar nicht, weder Pfitzner noch Schönberg, weder Eisler noch Stockhausen.

Der Untertitel "Musikalische Legende" ist ganz wörtlich zu verstehen. Palestrina mit seiner "Missa Papae Marcelli" als göttlich inspirierter

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