Kunst Kurz

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Flüchtlingsrepublik In Zeiten, da der mediale Blick manisch auf Bilder von flüchtenden Kosovo-Albanern fixiert ist, sollte man sich daran erinnern, daß weltweit andauernd zirka 15 bis 18 Millionen Flüchtlinge in UN-Camps "geparkt" sind. Inoffizielle Schätzungen sprechen von rund 40 Millionen Flüchtlingen in Permanenz. Bei solchen Zahlen kann man nicht mehr allein an Care-Pakete denken: Was diese "Population" genauso bräuchte, ist ein eigener Staat, der ihre Rechte vertritt und ihr "kreatives Potential" nützt. Die Idee zu solch einer Staatengründung ohne Territorium stammt von Ingo Günther. Sein künstlerisches Projekt "Refugee Republic" hat der millionenfachen "Avantgarde einer kommenden nomadischen Gesellschaft" bereits ein eigenes Informationssystem entwickelt, eine Währung, Flagge, Paß usw. Vor allem aber geht es das Flüchtlingsphänomen nicht allein aus einer Mitleidsperspektive an. Mitbürger werden kann man unter http://refugee.net.

Ortswechsel Angesichts solch kalkuliert hybrider Kunstprojekte wollen wir aber nicht die feinen Wahrnehmungsübungen daheim vergessen: Im ehemaligen Wasserturm am Wienerberg, einem der höchsten Punkte der Stadt, findet zum Beispiel am 4. und 5. Juni (19-24 Uhr) eine lohnende ortspezifische Belebung statt. Wer für die "Wahlverwandtschaften" in den Sofiensälen keine Karten mehr ergattern konnte, wird hier wahrscheinlich preiswert auch etwas vom momentan vieldiskutierten Geist der "Performanz" und "Interaktion" mitbekommen. Sechzehn künstlerische Positionen werden den pittoresken Bau ausloten. Die Performances oder Konzerte finden jeweils ab 21 Uhr statt.

Wasserturm, 10., Windtenstraße 3, Endstation der Linie 65.


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