Salzburger Sauberkeit

Krimi: In "Silentium!", Wolf Haas' soeben erschienenem Krimi, paßt alles, und doch ist das Buch eine Enttäuschung.

Kultur | Christoph Braendle | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Dem Herrn Redakteur hab' ich erklärt, daß ich nichts von Shootingstar-Rezensionen halte. Ein Shootingstar ist eine Sternschnuppe, hab' ich nüchtern gesagt, und es gehört zum Wesen von Sternschnuppen, daß sie verglühen. Hilft nichts. Jetzt haben wir den Scherben auf. Salzburg im Sommer. Mönchsberg, Kapuzinerberg, das Festspielhaus natürlich, die Felsenreitschule. Föhn und Regengüsse. Dazu die vielen erzkatholischen Institutionen einer gottgefälligen Stadt, das Marianum vorab, wo auf der einen Seite der brave Bauernbub als Zehnjähriger hineinkommt und acht Jahre später als halbfertiger Pfarrer auf der anderen Seite wieder heraus. Und ausgerechnet dort ist es passiert: in der sauberen Internatsschule, beim Hygiene-Unterricht. Wenn auch vor langer Zeit. Salzburg im Sommer. Ein Ex-Zögling des Marianums erinnert sich. Wie der Spiritual, der jetzt Bischof werden soll, damals sagte, er solle die Unterhose ausziehen. Und wie sich auch der Spiritual ein bißchen ausgezogen hat. Wahrheit


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