Comandantina Dusilova: Wahrer Luxus

Stadtleben | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Joe und ich machten also Rast in der Aida Ecke Währinger/Nußdorfer Straße. Vor Joe lag der Wisch von NB, dem Agent, den sie Nägelbeißer nannten. "Aktennotitz 22NB: Mein eines fenster klemt. Und 7,40 sind aus", stand da in ungefilterter Amtsprosa. Agent NB des feindlichen Dienstes Post hatte allem Anschein nach Probleme mit der Belüftung seines Arbeitsplatzes. Und Siebenschillingvierzigmarken waren ihm offenbar auch ausgegangen. "Wozu brauchen die 7,40er-Marken?" fragte ich Joe. "Um 14,80-Porti kleben zu können, Lönchen, das liegt doch auf der Hand." Ich ließ mein Schinkenstangerl, das der Aida-Mikrowellenherd auf unhaltbare sechs Millionen Grad erhitzt hatte, mit einem Schrei auf die Untertasse fallen. "14,80, das sind Eineuronullacht", las Joe von seinem Eurocalculator ab, "Eineuronullacht. Bin gespannt, wie sie das dann picken wollen." Mein Schinkenstangerl hatte sich mittlerweile durch die verdampfte Untertasse und das glosende Brandloch in der Aida-Theke eineinhalb Meter Richtung Erdmittelpunkt geschmolzen. "Sie könnten allerdings ein paar Zacken abschneiden", sinnierte Joe, "in Georgien machen sie das so ... Zackenschneiden, das können deine Leute hier ja auch." Meine Leute! Ich war empört!

Mehr darüber nächste Woche!


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