Bernhard auf arabisch

Shopping: Die Buchhandlung al-diwan will nicht nur arabische Literatur verkaufen, sondern auch den Eintritt in die arabische Welt erleichtern. wolfgang paterno

Stadtleben | aus FALTER 22/99 vom 02.06.1999

Sinan Gzara führt in Wien eine Buchhandlung. Und Sinan Gzara mag Thomas Bernhard. Beides wäre nicht weiter ungewöhnlich. Wenn Gzara nicht eigentlich gebürtiger Tunesier wäre - und seine Buchhandlung sich nicht auf arabische Literatur spezialisiert hätte.

Gzara entdeckte den österreichischen Schriftsteller vor zehn Jahren, damals noch als Student in Tunis. Einer seiner damaligen Professoren meinte, Bernhard sei "erstklassig". Und während Österreich kopfstand wegen "Heldenplatz", las Gzara Bernhard. In Tunis. Auf arabisch, wohlgemerkt.

Nach Aufenthalten in Genf und Paris lebt Gzara nun seit acht Jahren in Wien. Vor zwei Jahren und nach Zwischenstationen bei Wiener Buchhändlern eröffnete er sein eigenes Geschäft, von Anfang an mit der Absicht, damit auch gleich ein arabisches Kulturzentrum zu etablieren. "Kultur beschränkt sich nicht nur auf Kebab und Naschmarkt", sagt er, "die Leute hier sind ja neugierig, sie brauchen aber auch viel Zeit."

Ein "al-diwan" war ein abgesonderter Raum


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