Allein in Sarajevo

Reportage: Österreich und die westliche Gemeinschaft erhoben den Slogan "Hilfe vor Ort" zum Credo ihrer Kosovo-Flüchtlingspolitik. In Bosnien-Herzegowina bemerken die Flüchtlinge davon nichts.

Politik | Gerald John / Sarajevo | aus FALTER 23/99 vom 09.06.1999

Wahrscheinlich liegt es an den rostigen Öfen, die vor den Zelten unentwegt dampfen. Die Frauen versuchen, auf den braunen Ungetümen rationiertes Dosenfleisch zu brauchbaren Speisen zu verkochen. Doch es riecht nicht nach Essen. Beißender Gestank liegt über dem Flüchtlingslager Rakovica nahe Sarajevo. Auch der Müll muß irgendwie verwertet werden. Was nicht verheizt wird, landet unter den Baracken.

Ibush Termkolli hat zumindest für die leeren Büchsen Verwendung. "Wir haben in einem sauberen Dorf gelebt", sagt er und dämpft eine "Drina"-Zigarette in einer ausgewaschenen Thunfischdose aus. "Sauber" - darunter versteht Termkolli, daß in seinem Heimatdorf Bellagovci Madh nahe Pristina nie Serben gewohnt hatten. Im Frühsommer 1998 waren sie aber plötzlich da. Aus den Wäldern seien sie gekommen, erzählt der Familienvater, und hätten zwei Dorfbewohner getötet. Im September des Vorjahres retteten sich die Termkollis nach Bosnien. Heute haust die fünfköpfige Familie in einer winzigen


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