Bedient: Streifender Wagen

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 23/99 vom 09.06.1999

Herr Müller (siehe Falter 19, 20) konnte nicht ausgeforscht werden. Zur Erinnerung: Ein Zeuge beobachtet zwei Polizisten, die beim Einparken ein Fahrrad beschädigen, es verfluchen und einfach davonbrausen. Der Zeuge hinterlegt Visitenkarten am Fahrrad. Sie verschwinden. Er erhält einen merkwürdigen Anruf eines Herrn Müller, der sich mit verstellter Stimme als Besitzer des Fahrrades ausgibt. Müller versichert, daß der Schaden bereits ersetzt sei. Verdacht: Müller ist Polizist und will seine Dummheit vertuschen. Plötzlich meldet sich die tatsächliche Fahrradbesitzerin. Der Vorfall wurde nie angezeigt. Die Besitzerin erhält einen Teil des Schadens vom streifenwagenlenkenden Polizisten persönlich ersetzt. Nun hat die Polizei den Vorfall untersucht: "Beim Einparken des Streifenwagens", schreibt die Polizeidirektion, "wurde ein Fahrrad gestreift." Der Lenker habe den Streifenwagen sofort angehalten, hätte jedoch am Fahrrad keinerlei Beschädigungen festgestellt. "Wie nunmehr nachträglich festgestellt werden mußte", heißt es weiter, "wurde das Fahrrad beschädigt und verzogen." Dieser Schaden sei - leider, leider - erst bei der Inbetriebnahme des Fahrrades festgestellt worden. Visitenkarten und Anrufe mit verstellter Stimme hätte keiner der Beamten getätigt. Alles in Ordnung? Nicht ganz: "Es darf jedoch festgestellt werden", schreibt die Polizei, "daß der Sachverhalt dem Strafamt, jener Dienststelle, die zur Überprüfung von behaupteten Verwaltungsübertretungen - wie Fahrerflucht -, die Polizeimitarbeiter begangen haben sollen, weitergeleitet wurde. Daneben wird eine Überprüfung in dienstrechtlicher Hinsicht durchgeführt." Na also.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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