Kommentar: Äpfel mit Birnen und Handke mit Hitler


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 23/99 vom 09.06.1999

Wenn Sie das lesen, wird ja alles schon Vergangenheit sein, ich aber bin ganz aufgekratzt: Nur noch ein Tag bis zum "Premierenereignis", wie das wohl heißt. Andererseits: Was soll noch viel passieren? "Mit Marie Colbins offenem Brief erreichte die Handke-Debatte knapp vor der Uraufführung von Peter Handkes Jugoslawien-Stück ,Die Fahrt im Einbaum' ihren Siedepunkt", analysiert der Format-Feuilleton-Generalissimus Christoph Hirschmann glasklar. Was heute siedet, ist morgen nichts als Dampf und Dunst. Und dann? Die Debatte über den Macho Handke ist immerhin schon am Köcheln. Schon hat Bild den Dichter in die Reihe "mit anderen großen Frauenquälern wie Charles Dickens, Leo Tolstoi und Dieter Bohlen" gestellt. Das ist doch gleich mal ganz was anderes: Nicht bloß irgend so ein durchschnittlicher feinripptragender Prolo, der seine Frau verprügelt, sondern "großer Frauenquäler" - wobei unklar bleibt, ob die Herren ihre Größe ihrer Kunstanstrengung verdanken oder auch auf dem Gebiet

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