Die Faszination des Bösen

Film: Mittels avanciertester Digitaltricktechnik macht "Der Spezialist" aus dem Prozeß gegen Adolf Eichmann einen spannenden Gerichtssaalthriller, hält sich mit Informationen aber eher zurück.

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 23/99 vom 09.06.1999

Tod durch Erhängen. Am 11. Dezember 1961 wurde Adolf Eichmann, 55, ehemaliger SS-Obersturmbannführer und als Leiter des Referats IV-B-4 im Reichssicherheitshauptamt einer der Hauptverantwortlichen für die administrative Durchführung der Politik der "Endlösung", nach einem acht Monate langen Prozeß von einer Sonderkammer des Bezirksgerichts Jerusalem der Verbrechen gegen das jüdische Volk und der Verbrechen gegen die Menschheit für schuldig befunden: Am 31. Mai 1962 wurde das Urteil, als einziges Todesurteil in der Geschichte des Staates Israel, vollstreckt.

So weit, so bekannt. Vor diesem Hintergrund läuft "Der Spezialist. Porträt eines Verbrechers im Zeitalter der Moderne" von Rony Brauman und Eyal Sivan ab. Der Film beginnt mit einer Totalen auf den noch leeren Gerichtssaal, dann heben Stimmengewirr, Geräuscheffekte und dunkle Mollakkorde an; nach und nach füllt sich der Saal mit den Protagonisten des Prozesses, ähnlich wie vor dem Beginn einer Opernaufführung die Musiker


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