"Wir sind die Letzten!"

Exil: Leo Glückselig floh 1939 vor den Nazis nach New York. Dieser Tage besuchte der 85jährige seine Heimatstadt und präsentierte seine Lebenserinnerungen "Gottlob kein Held und Heiliger!".

Kultur | Wolfgang Paterno | aus FALTER 23/99 vom 09.06.1999

Ausgerechnet weiße Socken: "Hitler regierte bereits in Deutschland, da begannen in Wien Tausende junge Leute demonstrativ mit weißen Socken herumzulaufen" - ein Kennzeichen der illegalen Nazi-Organisationen. Am 12. März 1938, der Annexion Österreichs, war die Freude grenzenlos: "Die Wiener schnappten fast über vor Jubel." Und vor dem Hotel Imperial stand die Hitlerjugend und skandierte: "Nach Hause gehen wir nicht, bis daß der Führer spricht!" In der Erinnerung von Leo Glückselig sind jene Tage "ins Gedächtnis eingraviert". Denn: "Man lebte und starb - zufällig."

Der Wiener Jude Leo Glückselig, 1914 in der Leopoldstadt geboren und in beschaulichen Verhältnissen aufgewachsen, hat zufällig überlebt: Am Neujahrstag 1939 kommt er in New York an, schlägt sich in der Neuen Welt anfänglich als Laufbursche durch und beginnt nach dem Militärdienst, der ihn nochmals nach Europa führt, eine Karriere als Zeichner, Maler und Gebrauchsgrafiker. Für die New York Times zeichnet Glückselig


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