Unser Puschkin

Literatur: Am 6. Juni wäre Alexander Puschkin 200 Jahre alt geworden. "Unser ein und alles", wie der Dichter genannt wird, wurde von den unterschiedlichsten Menschen aus unterschiedlichsten Gründen geliebt. Geliebt aber wurde und wird er.

Kultur | Lev Rubinstein / Moskau | aus FALTER 23/99 vom 09.06.1999

Erinnern Sie sich an die Szene aus "Kadotschnikow, der Spion"1: Unser Held spielt in einer nicht gerade echt aussehenden SS-Uniform einen Deutschen. Mit den widerlichen Fritzen, richtigen SSlern, feiert er Silvester, grölend wird auf den Sieg angestoßen. "Auf den Sieg!" stimmt unser Held ein, um mit einem Zwinkern zum Publikum bedeutungsvoll hinzuzufügen: "Auf UNSEREN Sieg!" Alles klar, welcher Sieg gemeint ist - unserer!

Genauso verhält es sich mit Puschkin. Obschon die Bezeichnung "unser ein und alles" längst eine leere Worthülse darstellt, wird sie von Zeit zu Zeit zu einem Gegenstand heftiger Diskussionen. In der Ära des totalen Staates fiel die Betonung logischerweise auf "ein und alles". Kaum waren aber in Staat und Gesellschaft die ersten Anzeichen von Vielfalt und kultureller Dezentralisierung erkennbar, lag der Akzent auf "unser". "Puschkin ist unser ein und alles", schreien die einen. "Nein, er gehört uns", wird ihnen entgegengeschleudert.

Mitunter wird er noch als "euer


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