Liebe Leserin, Lieber Leser!

Vorwort | Klaus Nüchtern | aus FALTER 24/99 vom 16.06.1999

Wir sind sowas von beliebt bei die Deutschen. Und vergelten wir ihnen ihre Zuneigung in gleichem Maße? Nicht wirklich, oder? Wolfgang Kralicek zum Beispiel ist vergangene Woche nach Mülheim hochgefahren. Jawoll, das Mülheim. Mülheim an der Ruhr, jene Stadt also, die so große Söhne wie Helge Schneider oder Christoph Schlingensief hervorgebracht oder zumindest beherbergt hat; jene Stadt, in der die so treffend benannten "Mülheimer Theatertage" stattfinden, bei denen Kralicek "den zweiten Juror von links" gab, wie er selbst sagt. Wie die Sache ausgegangen ist, lesen Sie in der allseits beliebten Rubrik "In Kürze" (S. 74). Eine Woche Recherche für einen 20-Zeiler. Kein Problem, denn der aus Heidelberg gebürtige Carsten Fastner hat seinen Blinddarm im Spital gelassen und ist wieder für die Kulturredaktion tätig, was gleich in der Coverstory über Olga Neuwirth Niederschlag gefunden hat (S. 22), der momentan wohl prominentesten Erscheinung der jungen Komponistenszene. Ihre Oper "Bählamms Fest" (Libretto: Elfriede Jelinek) wird dieser Tage bei den Festwochen uraufgeführt.

Der aus Lüneburg stammende Tex Rubinowitz darf ja schon als Wahlwiener gelten, und wenn er in Kassel eine große Personale hat, dann kann das fast schon als Ausdruck des deutschen Austro-Bonus gewertet werden. Nähere Details erfahren Sie aus dem kleinen Kolümnchen neben dem "Bilderbuch" (welches sich unter der allseits beliebten Rubrik "In Kürze" befindet), das ab sofort von Kolumnen-Multi Andrea Dusl betreut wird. Während die Politik-Redakteure und Redakteurinnen am Wahlabend durch die Parteizentralen tingeln müssen, fährt der leichtfüßige Vitus H. Weh lieber nach Venedig, um dort nach dem Rechten zu sehen. Und siehe da: Der Österreich-Pavillon kam bei Weh durchaus gut an (S. 72). Der Mann ist ja schließlich Deutscher! Das läßt sich übrigens auch von Christopher Wurmdobler behaupten, der Hunden beim Rennen zusah (S. 76). Müssen wir hinzufügen, daß wir sie eh auch lieb haben, die Deutschen? Wir müssen!


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