Spielplan

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 24/99 vom 16.06.1999

Theater ist unberechenbar, und das ist gut so. Ein toller Text ist noch lange kein Garant für einen spannenden Theaterabend. Umgekehrt muß ein belangloses Stück nicht zwangsläufig zu Fadesse auf der Bühne und im Parkett führen. Zugegeben: Das ist sehr idealistisch betrachtet; geht man rein pragmatisch an die Sache heran, dann sieht man, daß sich auf freier Theaterwildbahn oft und gerne die Variante "Fader Text, fader Abend" durchsetzt. "Pizzamann" ist ein gutes Beispiel hierfür. Die "preisgekrönte Komödie aus New York", wie es im Programm des Theater Center Forum so schön heißt (man fragt sich bloß, wann? Vor zehn Jahren?), stellt zwei problembeladene Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs auf die Bühne. Die eine hat den Job verloren (sexuelle Belästigung!), die zweite den sowieso anderwärts verheirateten Lover. Ihre Rache an der Männerwelt - sie wollen einen willkürlich gewählten männlichen Mitmenschen (den Pizzaboten) vergewaltigen - scheitert natürlich. Das klingt sehr frauenbewegt und ist es auch - gleichzeitig aber voller Frauenklischees. Stichwort: die Naive und die Rationale. Deshalb möchte man dieses Stück, wenn es schon sein muß, nur in folgender Besetzung sehen: mit Marilyn Monroe und Jane Russell. Und nur in der Regie von Howard Hawks, bitte.

Auch "Königshäuter", das jüngste Stück des englischen Dramatikers Howard Barker, ist ein Problemkind. Barker, der gerne mit Genres und fremden Texten experimentiert (zuletzt eine Bearbeitung von Tschechows "Onkel Wanja"), ist nun bei den Elisabethanern gelandet: Ein Anatom wird an einem Königshof in amouröse und letztendlich tödliche Irrungen verwickelt. Das Theater m.b.H. setzt seine fürsorgliche Barker-Pflege fort (das sechste Stück am Haus), ohne zu fragen, was uns der Text denn nun angeht - außer daß der Autor erneut beweist, wie gut er sich in andere Autoren (Stichworte: Shakespeare, Christopher Marlowe) einfühlen kann. So what, Mr. Barker? Zur Strafe sollte das Stück von Kenneth Branagh verfilmt werden.


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