Dilettantismus ist Liebe

Kunst: Die soeben eröffnete 48. Biennale von Venedig ist größer als je zuvor. Es dominieren ästhetischer Eskapismus und unverbindliche Multi-Kulti-Kunst. Österreichs Beitrag widersetzt sich diesem Trend mit kontroversen Positionen.

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 24/99 vom 16.06.1999

Eigentlich ist Harald Szeemann die Biennale von Venedig völlig zuwider. Früher mußte die Polizei einschreiten, wenn Szeemann allzu heftig gegen ihre Preisverleihungen und das Nationenprinzip demonstrierte. Heute ist Szeemann Chefkurator der Biennale, aber gegen sie ist er offensichtlich immer noch. Mit seiner großen "dAPERTutto/Aperto überall"-Ausstellung hat er nämlich genau das praktiziert, was sich die 68er-Generation vom "Marsch durch die Institutionen" immer erhoffte: Mitmachen, um die kritisierten Strukturen von innen her aufzubrechen. Konkret hat Szeemann auf die Strategie der Überflutung gesetzt. Wenn er die nationalen Pavillons schon nicht abschaffen kann, so denkt er wohl, dann stellt er sie wenigstens in den Schatten. 102 internationale Künstler und das riesige Gelände der ehemaligen Kriegsmarine hat er dafür aufgeboten; "Aperto überall" besitzt etwa doppelt soviel Ausstellungsfläche wie alle Länderpavillons zusammen, und sie kann zusätzlich noch auf den Mehrwert


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