Stadtrand: Paulchen und ich

Stadtleben | aus FALTER 24/99 vom 16.06.1999

Als ich noch ein fernsehsüchtiges Kind war, habe ich immer Rosaroter Panther geschaut. Eine Szene geht aus meinem Kopf nicht raus. Paulchen Panther lebte in einer großen, großen Stadt mit breiten, breiten Straßen. Doch die Straßen waren menschenleer. Keine Autos, keine Fußgänger, niemand. Paulchen wollte über eine der Straße gehen. Er streckte seine lila Zehe aus und steppte vom Gehsteig auf die Straße. Bruuuuum, Bruuuuum. Huuuuup, Huuuuup. Von einer Sekunde auf die andere war Paulchen im Verkehrsgewühl. Paulchen zog sein Pfötchen weg und hatte einen Riesenschreck. Kaum stand er am Gehsteig, war die Straße wieder menschenleer. Bis er seine Tatze auf den Gehsteig setzte. So ging's ewig dahin. Pauli ärgerte sich, und ich hab' laut gelacht. Damals. Seit ich täglich die Zweierlinie bei der Josefstädter Straße überquere, verstehe ich Paulchen. Zuerst warten. Die Zweierlinienautos haben stundenlang Grün. Endlich schaltet die Fußgängerampel um. Ich betrete die Fahrbahn. Eins, zwei, drei, vielleicht vier Schrittchen. Sie blinkt. Die Alte hinter mir hat gerade den ersten Zebrastreifenstreifen geschafft. Der Radler vor mir ist bis zur Hälfte gekommen. Dann ist Rot. Huup! Huup! Brumm! Brumm! Paulchen würde jetzt laut lachen. F.K.


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