"Wir waren zu friedlich"

Interview: Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg über das neue Selbstbewußtsein der Wiener Juden, die knausrige Regierung und einen Bibelvers zu Marcus Omofuma.

Gerald John und Thomas Rottenberg | Politik | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Frau Eisenberg ist sehr auf das Erscheinungsbild ihres Gatten bedacht. "Sie hat geschimpft, weil ich keine Krawatte getragen habe", lacht Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg nach dem Falter-Fototermin. Dabei paßt ein strenger Schlips gar nicht so recht zum 49jährigen Eisenberg. Der Rabbiner gilt - etwa in der Frage des Nahostkonflikts - als Liberaler und unterscheidet sich in seiner Haltung damit von vielen seiner Kollegen. Eisenberg, Sohn eines ungarischen Oberrabbiners, zählt zu jener Generation der Wiener Juden, die hier geboren wurden und für ein selbstbewußteres Auftreten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien stehen. Die Gemeinde zählt heute 8000 Mitglieder und begeht dieser Tage ihren 150. Geburtstag.

Falter: Juden gibt es in Wien schon viel länger als 150 Jahre. Was feiern Sie dieser Tage eigentlich genau?

Chaim Eisenberg: Juden gibt es in Österreich seit über tausend Jahren. Die wurden immer wieder verfolgt, rausgeworfen und wieder reingelassen. Im Jahre 1849 war aber eine

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