Bedient: Paßamt Kosovo?

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Irgendwie schaffen wir es doch. Ein bißchen Phantasie, ein bißchen Gesetzestreue und eine kräftige Portion Ignoranz. Flüchtlingskinder die österreichische Rechtsordnung zu lehren, fällt Österreichs Bürokratie gar nicht so schwer. Mirjete (12), Arijete (13) und Saide (16) sind vertrieben worden. Innerhalb weniger Stunden flüchteten sie aus ihrem Heimatdorf im Kosovo vor der serbischen Sicherheitspolizei und dem Militär. An der Grenze zu Albanien wurden ihnen alle Dokumente abgenommen und verbrannt. Die drei Kinder hatten dennoch etwas Glück. Ihre Eltern leben seit Jahren legal in Wien. In einer Mietwohnung beim Westbahnhof. Der Vater verdient 15.000 netto und will seine Kinder endlich bei sich haben. Rechtlich wäre das auch möglich. Seit einigen Wochen gibt es in Österreich eine Verordnung, die es Kindern aus der Krisenregion ermöglicht, zu ihren Eltern nach Österreich zu flüchten. Das haben die Kinder versucht und bei der Fremdenpolizei ein "Aufenthaltsrecht für kriegsvertriebene Kosovo-Albaner" beantragt. Die Polizei hat schnell und richtig reagiert. Vor drei Wochen wurde den Kindern das Visum ausgestellt. Das können sich die Kinder nun im albanischen Flüchtlingslager an die Wand kleben. Denn nach Österreich dürfen sie leider nicht einreisen. "Es tut uns leid, aber sie haben keine Reisedokumente", erklärte ein Angestellter der österreichischen Botschaft in Tirana sinngemäß. Ohne Reisedokumente keine Einreise. Leider. Wo man die Reisedokumente beantragen kann? "Bei uns nicht", bedauert die Botschaft. Ein Tip im Vertrauen: vielleicht am zuständigen Paßamt im Kosovo. Probiert es doch dort.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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