Chaos 2000: Gleichgültigkeit 1999

Zeit: Das verkürzte Datumsformat der digitalen Welt wird die Automation und möglicherweise viel mehr in Unordnung bringen. Gewarnt wird oft, getan wenig.

Markus Zwettler | Medien | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Prolog: Vor 417 Jahren wurde es Papst Gregor XIII. zu bunt. Die Unstimmigkeit zwischen den himmlischen Mondphasen und dem irdischen Kalendarium schien ihm nicht mehr erträglich. Also erklärte er kurzerhand den 4. Oktober 1582 für den 15. Oktober 1582, und die Sache war wieder im Lot. 1582 waren inkongruente Verhältnisse zwischen Allmacht und Alltäglichkeit keine große Affäre.

Die Intelligenz der katholisch dominierten Länder akzeptierte den Eingriff damals mit einem Achselzucken. Der letzte einschlägige Starrsinn in der westlichen Hemisphäre wurde 1923 in Griechenland gebrochen, sodaß ab diesem Datum ein einheitliches Kalendersystem etabliert war. Soweit, so gut.

Anfang der achtziger Jahre hatten die Erfinder der Programmsprache COBOL soviel Weitsicht, um den Wahnwitz eines sechsstelligen digitalen Datumsformats zu erkennen. Bloß: Die auf zigtausende Programmzeilen angewachsenen Betriebssysteme spielten nicht mit. Die COBOL-Leute konnten selbst Regierungen nicht überzeugen und

Abo hier bestellen Abo hier bestellen
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl und erhalten Sie sofort einen Digitalzugang, um Artikel kostenfrei zu lesen.
Wenn Sie kein FALTER-Abo haben, können Sie diesen Artikel hier einzeln kaufen, als neuer Nutzer kostenfrei mit Startguthaben.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige