Presseschau

Medien | Armin Thurnher | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Es ist erst ein fernes, fahles Wetterleuchten am weltpolitischen Horizont, das sich da zeigt" - im Kosovo nämlich und in Rußland, während Bill Clinton, wie ein Foto zeigt, fröhlich mit der nichtsahnenden Madeleine Albright in Köln Karten spielt.

Hans Dichands Kassandra-Rufe, ausgestoßen mit der fahlen Wucht weltpolitisch an den Rand gedrängter Prosa, untermauert mit der Weitsicht lebenslangen strategischen Überblicks ("kein Stein wird auf dem anderen bleiben"), abgerundet mit der analytischen Schärfe des Kriegsteilnehmers ("Die russischen Besatzer bekommen keinen eigenen Sektor, unterstehen aber nicht dem Nato-Kommando"), abgedruckt in der Sonntagskrone - aus ihnen spricht die Verzweiflung des Mahners, den keiner hört.

Warum eigentlich nicht? Selber schuld: Hätte der Herausgeber nicht einst seine Kolumnistin Hillary schnöde verstoßen, weil sie nichts Heißes über Bills Affäre brachte, der direkte Draht nach Washington wäre offen, das rote Telefon würde läuten, Bill Clinton würde abheben. "Hallo, Hans?" So müssen wir weiter bangen.


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