Fernsehen

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Was wurde eigentlich aus Horst-Friedrich Mayer, dem beliebtesten Anchorman seit der Erfindung des Bildschirms? HFM, dem wir Heiligenscheine der kirchlichen Reportage verdanken, etwa einige Papstbesuche, die geglückte Hochzeit der unglücklichen Lady Di und vor allem die Gruftlegung der letzten lebenden österreichischen Kaiserin. HFM war zeitlos im Bild, er war beliebt und beachtet, er war sich der Schwierigkeit der an ihn gestellten Aufgaben stets bewußt, an jeder Faser seiner Stimmbänder konnte man die Komplexität auch internationaler Zusammenhänge heraushören. HFM war der Profi vor dem Auto-Cue. Stets wußte er Text so vorzulesen, als fiele er ihm gerade ein. Solch lebendige Spontaneität kennen wir heute nur mehr von Fernsehsprechern, denen tatsächlich gerade was einfällt. Die Schwere seines Vortrags konnte seichten Themen ungeahnte Tiefe verleihen. Nun, HFM ist in den Olymp der Television aufgestiegen. HFM ist Werbeträger geworden, er verkauft jetzt Telefonanschlüsse. Und er macht das gut. Ich habe mir fast schon überlegt, mir nur seinetwegen eine um Groschen billigere Telefonnummer zuzulegen. Gottschalk macht jetzt übrigens in Zirkusparodie.


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