Spielplan

Kultur | C.Fastner / W.Kralicek | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Bei Wolfgang Staribachers "König des Glücks" hätte man schon vor zehn Jahren Bedenken haben müssen. Aber die Uraufführung von Olga Neuwirths "Bählamms Fest" in den Sofiensälen zeigt, wie wichtig die Festwochen für das zeitgenössische Musiktheater in Wien sein können. Neuwirth spielt gekonnt mit den zahlreichen Ebenen der symbolbeladenen Vorlage (Libretto: Elfriede Jelinek nach Leonora Carrington) und weiß die gewünschten Wirkungen der Musik so genau zu erreichen, daß ihre Professionalität fast schon kühl wirkt. Doch rettete sie genau damit ihr Stück vor der Regie (Nicholas Broadhurst) und dem allzu märchenhaften Tannenwald-Bühnenbild (Brothers Quay), das sich über einige Partituranweisungen einfach hinwegsetzte. Die eigentliche Sensation aber gelang Neuwirth mit der selten geglückten Kombination aus klassischem Instrumentarium (Klangforum Wien), den Sängern und der Live-Elektronik von Robert Höldrich. Trotzdem sollte das Theremin jetzt einmal Pause machen.

Die Idee, den oder die Gewinner des Festwochen-Regiewettbewerbs mit einer Festwochen-Inszenierung zu belohnen, sollte überdacht werden: Nachdem Jan Bosse mit der Musterschülerarbeit "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" enttäuscht hatte, war im Schauspielhaus nun Ute Rauwald an der Reihe: Beim Wettbewerb hatte die Regisseurin frei nach Garcia Lorca gezeigt, was passiert, wenn sechs Schwestern allein zu Hause sind; in ihrer "Penthesilea"-Bearbeitung "killed by P." werden nun - frei nach Kleist - aus griechischen Helden stinknormale Kerle in Badehosen und aus dem Amazonenheer ein nerviges Mädchenpensionat auf Urlaub. Rauwalds Methode, große Literatur in kleine Alltagssituationen zu übersetzen, ist zwar auch diesmal nicht ohne Charme - einen ganzen Abend aber trägt sie nicht. Hübsch die Neudeutung der Liebestragödie als Diätdrama: Penthesilea fordert vom übergewichtigen Achilles allen Ernstes, daß er 70 Kilo (!) abnehmen soll - von wegen Liebe geht durch den Magen.


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