"Zuviel für ein Leben"

Literatur: Auf der Grundlage akribischer Recherchen schreibt die polnische Schriftstellerin und Reporterin Hanna Krall "Tatsachenliteratur", die mit schmerzhafter Lakonik von der Vernichtung der polnischen Juden erzählt.


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Wichtig ist, auf der Seite derer zu stehen, die traurig sind", schrieb der mittlerweile verstorbene polnische Filmregisseur Krzysztof Kieslowski an seine Landsfrau Hanna Krall, der die Welt von Kieslowskis späten Filmen fremd geworden war. "Meine Heldinnen sind klein, dick, umgeben von einer armseligen, erbärmlichen Szenerie, sie erinnern sich an häßliche Städte", schreibt sie an den befreundeten Filmemacher, "bei dir sind alle hübsch, sprechen französisch, komponieren wundervolle Musik und gebrauchen Wörter wie Europa und Strasbourg."

Die 1937 in Warschau geborene Krall steht zweifelsohne auf der Seite der Traurigen, davon legt ihr jüngstes Buch erneut Zeugnis ab. Wie schon die vorhergehenden Werke kreist auch "Da ist kein Fluß mehr" um die Judenvernichtung. Oft verfolgt Krall die Geschichte jüdischer Familien um Jahrhunderte zurück, nur um den gewaltsamen Bruch herauszuarbeiten, der diese Tradition nicht nur unterbricht, sondern für immer verschüttet. "Ich versuche nicht,

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